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15. Dezember 2008
Wenn mich jemand gefragt hätte, was mein Leben ist, ich hätte unvorsichtig gesagt: mein Leben ist mein Garten.
Wenn mich jemand dann unfairer Weise gefragt hätte, was mein Garten ist, ich hätte sagen müssen: mein Garten ist Buchs.
Buchsbaum

Er hat die Blicke auf sich gezogen
Er hat die Blicke durch den Garten gelenkt
Er hat Grenzen gezogen
Er hat zusammengehalten
Er hat Halt gegeben
Er hat Konturen gezeigt
Er hat Refugien gebildet
Er hat den Sommer im Winter gezeigt
Er hat den ersten Winter im Sommer gezeigt
Er hat den Winter für den Frühling bewahrt
Er hat Ordnung ins Chaos gebracht
Er hat Trennstriche gezogen
Er hat sich elegant geschwungen
Er hat Schlusspunkte gesetzt
Er hat den Hintergrund gestellt
Er hat den Rahmen gebildet
Er hat Bilder gemalt
Er hat der Geraden Kurven verliehen
Er hat die Ruhe gebracht
Er hat die Erhebung in die Ebene gebracht
Er hat als Solist geglänzt
Er war grün und
Er wird Präteritum: denn der Buchsbaum stirbt

Jeder Buchsbaum, der in meinem Garten wuchs, ist von mir selber als Steckling gezogen worden. Wenige Ausnahmen sind Geschenke von lieben Menschen, aus deren Buchs-Geschenken wiederum neues Material gewonnen wurde für die weitere Verbuchsung des Gartens und das heißt: für die Verwirklichung meines Gartentraums.
Es waren über 80 Buchsbaumkugeln im Garten, fast 400 laufende Meter Buchseinfassungen. Der größte Teil wird im Advent schon gerodet sein, wenn Sie das hier lesen. Der tödliche Buchsbaumpilz Cylindrocladium buxicola hat, ausgehend von einem durch gekaufte Neupflanzen infizierten Nachbargarten, meinen Buchsbaumgarten vernichtet.
Bevor man einen Neuanfang plant und beginnt, muß man sich vom Alten verabschieden. Ich habe den alten Buchsbaumgarten sehr geliebt.
Deshalb bitte ich Sie alle, mit mir meinen Abschied von meinem Buchs im Garten und damit von meinem Garten zu begehen. Denn der Garten muß ein gänzlich anderer werden. Sehen wir uns gemeinsam posthum den Buchs an: