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| 16. Dezember 2008 | |
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Erkenntnisse aus dem Fotojahr |
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![]() | Die neue Kamera und ich verstanden uns gut. Auch wenn der vergangene Winter erneut kaum Schnee brachte, statt eisiger Temperaturen sumpfig-braune Wiesen und konturlose, graue Himmel, so versuchte ich ohne große Begeisterung das eine oder andere Bild. Nach endlosen, viel zu warmen Wochen, senkte sich am Ende doch Kälte über die Wiesen, gefror Tropfen zu bizarren Gebilden und verwandelte braunes Gestrüpp in leuchtende Gewächse. Erlöst von Ton-in-Ton-Bilder, schlich ich mit klammen Fingern durch die Beete, lauschte dem Knirschen meiner Schritte und versuchte, die Kristalle nicht zu berühren, um keine Motive zu verlieren. Ich machte viele Bilder, von langen Kristallen, leuchtenden Tropfen, die erstarrt waren und von wie mit Fell überzogenen Knospen, sogar von Rosen, altem Laub und vergessenen Staudenschnitt. |
![]() | Es war ein Glück, dass ich diesen Tag genutzt hatte, denn es gab keinen zweiten dieser Art. Ein langweiliges Frühjahr folgte und statt erster Motive brachte Ostern noch einmal Schnee. Es dauerte bis Mitte April, ehe es endlich nennenswerte Gründe gab, in den Garten fotografieren zu gehen. Und wie jeden Winter hatte ich vergessen, wie lange es dauert, ehe die Umwelt Farbe annimmt, Hintergründe brauchbar werden und Blüten zu leuchten beginnen, ohne verloren zu wirken. Mit, wie jedes Jahr, ganz nassen Knien, krabbelte ich durch die Beete. Besonders die Farne faszinierten mich, ihre filigranen Wedel, die wie Finger über den Garten hinweg zu blühenden Felder wiesen. Sie wuchsen alle gleich, aber sie glichen sich nie. |
![]() | Im Garten dokumentierte ich die Beete, versuchte die Eindrücke besser auf Bilder zu bannen und Kombinationen zu vermitteln, was lichtbedingt besonders morgens gut gelang. Den Fehler, mich nur auf Übersichten zu konzentrieren, verhinderte zum Glück Kater Oskar. Seine unermüdliche Suche am Teich machte mich auf die vielen Libellen aufmerksam, die, außerhalb seiner Reichweite, auf Halmen saßen, in der Hoffnung, nicht entdeckt zu werden. Durch die Kühle des Morgens noch träge, ließen sie mich mit dem Makro weit heran. Welche Eindrücke sich auftun, wenn rasche Bewegungen kurz erstarren und vermeintlich Flirrendes verharrt! Es war spannend und erschreckend zugleich: grimmige Gestalten, fremde Angesichter und, fast schon ein Indikator für gute Bilder, meine nassen Zehen. |
![]() | Später dann wurde der Garten bunt, die Farben verwoben sich zu Gesamteindrücken, wogende Meere aus Farbe, aus denen einzelne Blüten hervorstanden oder mit anderen verschwammen. Im Schatten kühles Grün und in der Sonne lebendiges, leuchtendes Bunt: Es war eine Herausforderung, diese Eindrücke festzuhalten. Und nur selten, wenn Regen fiel, verband die Feuchte beide Bereiche, leuchteten im Schatten die glänzenden Blätter, fanden sich düstere Töne in hellen Beeten und hingen Tropfen an Blüten, Stängeln und Laub. |
![]() | Abseits des Gartens versuchte ich mich weiter an Wiesen und Bächen, Feldern und Wald. Es bestätigte sich ein weiteres Mal, dass besondere Motive auch besondere Bilder ergeben. Daher streifte ich des Öfteren durch vom Gekrabbel von Insekten erfüllte Orchideenwiesen, lauerte Trichterspinnen auf, versuchte mich an Schmetterlingen und lehrte mich selbst in Geduld: Bei der Suche von Motiven, beim Fotografieren selbst und nicht zuletzt beim einfachen Hinnehmen davonflatternder Akteure von Spitzenfotos. Und hin und wieder war es auch Glück, das ich nur umzusetzen brauchte um ein Bild zu erhalten, das ich, so ich es drauf angelegt hätte, nie zustande gebracht hätte. |
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Im Herbst war ich in den Bergen unterwegs, wo weniger das Detail, als die natürliche Komposition zählt. Ich musste mehr auf die Technik achten, auf die Art, wie ich das Bild machte. Dafür fanden sich die Motive von selbst.
Vielleicht ist das mit den guten Bildern doch einfacher als gedacht: Schöne Plätze dokumentieren ist auf jeden Fall weniger anstrengend, als kleine Details im schon Bekannten suchen. Aber was davon ist reizvoller? Am Ende ist es wohl doch die Vielseitigkeit, das Wissen um Panoramen und die Haare auf den Füßen von Fliegen. Es ist der Besitz eines Weitwinkels und eines Makros und damit der Blick fürs Ganze, ohne die Details zu übersehen. Es ist im Grunde eine Lebenseinstellung, und keine Fototechnik. Und es ist die Neugier, das Streben nach Neuem und dem Neuentdecken schon bekannter Elemente.
Ich wünsche euch daher ein gutes Fotojahr, schöne Motive und viele Ausblicke: In schon vertraute Bereiche und in neue Welten. Und wer weiß, vielleicht ist auch das vollkommene Motiv dabei? Wir müssen es nämlich erst erkennen, dann die Kamera parat haben und schließlich auch das Foto davon machen. Womöglich kommt es auf Sekunden an… Sekunden, die es höchstens dauern darf, oder Sekunden, wie wir uns zusätzlich nehmen müssen, um es zu erkennen. Liebe Grüße, Katrin |
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