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Von dunklem Adel – Bourbonrosen mal anders betrachtet
Die Bourbonrosen – schon der Name dieser Rosenklasse verheißt Geheimnisvolles und eine edle Abstammung scheint selbstverständlich. Hat doch das französische Adelsgeschlecht der Bourbonen eine ganze Reihe der bedeutendsten Herrscher in Frankreich und Europa hervorgebracht, doch sie haben nichts mit den Ursprüngen dieser wundervollen Rosen zu tun. Vielmehr entstanden die ersten Bourbonrosen wohl um 1815 als zufällige Kreuzung auf der Insel Reunion, damals noch „Ile Bourbon“ genannt. Von dort gelangten sie nach Frankreich, wo die zeitgenössischen Rosenzüchter voller Enthusiasmus versuchten, daraus neue öfterblühende Sorten zu züchten. Doch erst 1825 mit dem Auftauchen eines weiteren Stammvaters der Bourbonrosen, der dunkelroten „Gloire des Rosomanes“ begann die große Zeit dieser Rosenklasse. Bis Ende des 19. Jahrhunderts entstanden an die 1.000 verschiedene Sorten, bevor die neu aufgekommenen Remontant- und Teehybriden ihnen den Rang in der Gunst der Rosenliebhaber abliefen. Glücklicherweise gab es jedoch einige Sammler und Züchter, die sich um die Erhaltung der Bourbonrosen bemühten und so können wir heute immerhin noch ca. 200 verbliebene Sorten in den großen Rosensammlungen bewundern. Ein Großteil davon ist auch wieder im Handel erhältlich und so kann jeder Rosenliebhaber den einmaligen Duft und die wundervollen Blüten dieser herrlichen Sträucher in seinen eigenen Garten holen.
Ich möchte heute die etwas weniger bekannten dunkelblütigen Vertreter dieser Rosenklasse vorstellen, stehen sie doch - aus meiner Sicht zu Unrecht – etwas im Schatten ihrer berühmten hellen Verwandten, wie ‚Souvenir de la Malmaison’ oder ‚Boule de Neige’. Dabei gibt es unter ihnen eine Menge zu entdecken und wer je staunend vor einer drei Meter hohen und zwei Meter breiten ‚Great Western’ stand, wird auch nicht mehr behaupten, die Bourbonrosen seien durch die Bank schwachwüchsige „Hätschelkinder“.
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Begonnen hat die Ära der dunkelblütigen Bourbonrosen aber mit der bereits erwähnten ‚Gloire des Rosomanes’, 1825 von Plantier gezüchtet und von Jean-Pierre Vibert in den Handel gebracht. Die große Rosendatenbank im Internet „www.Helpmefind.com“ zählt bis heute sage und schreibe 7.852 Nachkommen dieser Rose auf, ein Zeichen für die große Beliebtheit nicht nur bei Rosenliebhabern, sondern auch bei den Züchtern. Sie ist ein Musterbeispiel einer dunkelroten Rose mit wundervollem Duft, die auch nach 175 Jahren nichts von ihrer Beliebtheit und Faszination eingebüßt hat.
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Ein anderes Beispiel für die Vielfältigkeit dieser Klasse ist ‚Vivid’ – eine Schöpfung des englischen Züchters Adam Paul aus dem Jahr 1853. Es gibt ja nicht so viele dunkle Kletterrosen, die auch noch gut duften – aber diese Rose bringt sogar bis in den Herbst hinein immer wieder Blüten hervor.
Oder wie wäre es mit 'Madame Eugène E. Marlitt', vom großen ungarischen Rosenzüchter Rudolf Geschwind im Jahr 1900 erstmals angeboten?
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In den USA gibt es seit vielen Jahren eine rege Diskussion, ob diese Rose identisch ist mit einer dortigen Fundrose namens „Maggie“. Nach intensiven Untersuchungen und Vergleichen durch die Experten in Sachen Geschwind - Martin Weingart und Erich Unmuth - wird nun allerdings angenommen, dass „Maggie“ stattdessen die ebenfalls von Geschwind stammende Teerose ‚Julius Fabianics de Misefa’ ist.
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Geschwind hat aber auch noch einige andere Rosen mit Bourbonabstammung geschaffen und mindestens drei davon fallen in die Rubrik „dunkelrot bis purpur“:
- die nicht ganz so bekannte ‚Parkzierde’ von 1909 ist trotz ihres Namens eine eher verhalten wachsende Strauchrose
- während ‚Zigeunerblut’ (1890) und vor allem der weltberühmte ‚Zigeunerknabe’ (1909) am richtigen Standort zu wahren Monstern heranwachsen können
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Alle drei blühen überreich im Juni/Juli mit leichtem Duft und sind absolut winterhart in meinem Garten.
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Bardou Job
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Frau O.Plegg
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‚Bardou Job’ (Gilbert Nabonnand, 1887) und ‘Frau O.Plegg’ (Paul Nabonnand, 1909) sind weitere schöne Beispiele für die Vielschichtigkeit dieser Gruppe.
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Wer nun neugierig geworden ist und Bourbonrosen zur Blütezeit genießen will, findet in Deutschland nur wenige Möglichkeiten, allerdings gibt es in Europa ein paar umfangreiche Bourbonrosensammlungen, die öffentlich zugänglich sind. Die bekanntesten davon sind:
- Die großartige französische Rosensammlung im Val de Marne:
Roseraie du Val-de-Marne à l'Haÿ-les-roses
- In Slovenien gibt es seit einigen Jahren eine Sammlung von Bourbonrosen im Garten des
Klosters Kostanjevica in der Nähe von Nova Gorica an der italienischen Grenze
- Und schließlich hat in England nahe London der leider bereits verstorbene Victor F. Lewis die „Nationale englische Bourbonsammlung“ aufgebaut, die nun von seiner Witwe Joan weiter unterhalten wird und auch besichtigt werden kann
National Plant Collection® of Rosa bourboniana:
- Das Europarosarium in Sangerhausen hat derzeit ca. 80 Sorten Bourbonrosen im Sortiment. In Kooperation mit den Mitgliedern des
Rosennetzwerks und der Witwe von Mr. Lewis wurde jedoch im letzten Jahr Vermehrungsmaterial von der og. Sammlung gewonnen und so wird wohl in absehbarer Zeit eine deutlich ausgeweitete Zahl dieser herrlichen Vertreter der alten Gartenrosen auch in Deutschland zu sehen sein.
Aber auch Literatur zum Thema ist (wenn auch nur spärlich) vorhanden, speziell mit Bourbonrosen beschäftigen sich diese beiden Bücher:
- „Bourbonrosen“ von Harald Enders, Fitzbeker Verlag 2005
- „The Romance of the Rose – my life with bourbon roses“ von Victor F. Lewis, im Eigenverlag erhältlich bei Mrs. Joan Lewis, Elms Farm, Blackmore End, Braintree, Essex, CM7 4DB
Mein herzlicher Dank für einige der Fotos geht an Christiane Frost und Karin Schade.
Diesen Artikel möchte ich ganz besonders zwei Menschen widmen, die sich um den Erhalt alter Gartenrosen in außerordentlicher Weise verdient gemacht haben:
Victor F. Lewis, 1923 – 2006
Prof. Gianfranco Fineschi, 1923 - 2010
ein Beitrag von Stefan Mehl
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